Das Tagebuch eines Forschungsprojektes
 
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NEUIGKEITEN - 10. Oktober 2000

Nachdem Stef und ich den Dienstag auf dem Festland verbracht haben, nutzen wir heute die Gelengenheit mit dem Boot von "Dolphin Watch Marlborough" wieder nach Motuara Island zurückzukehren. Ganz ungewöhnlich: die Vormittags-Tour ging schon um 7 Uhr morgens los. Was sollte das denn?

Als wir morgens am Waikawa Bay Marina unsere Kisten mit Einkäufen und unseren zig-mal gewaschenen und immer noch müffelnden Klamotten aus dem Wagen luden, sahen wir eine illustre Gruppe mit Zoe Battersby von "Dolphin Watch Marlborough" an einem Steg des Yachthafens stehen. Besonders auffällig war eine ältere Dame in einem langen, fliederfarbenen Samt-Mantel. Und was war das? Eine junge Frau mit einem dunkelblauen Trenchcoat mit einem gold-gesticktem "one news" Emblem auf der Brust unterhielt sich angeregt mit einem baumlangen Kerl, der eine Fernseh-Kamera und einem Stativ bewaffnet war. Ein Auto bog auf den Parkplatz ein. Es war mit dem Schriftzug "The Marlborough Express" zugekleistert. Ein bleicher Typ stieg aus und kramte eine Fototasche aus dem Kofferraum. Presse, Fernsehen und Politiker.

Die ältere Dame im Samtmantel war die stellvertretende Umweltministerin, erfuhren wir von Zoe, die uns anwies rasch unsere Klamotten auf das Boot zu laden. Les, Zoes Ehemann, begrüßte uns mit den Worten, "Good morning, you guys. We'll have some highbrows on board today." Da waren noch andere Leute, die weniger wie Politiker aussahen, doch noch weniger an Touristen erinnerten. Alle diese Leute Plus Nachrichten-Crew und Pressefritze kletterten bald an Bord der "Dolphin Endeavour". Das Boot legte pünktlich um 7 Uhr vom Waikawa Bay Marina ab und nahm Kurs auf Motuara Island.

Was der Trubel sollte, war klar - heute kamen die Kiwi-Leute mit den frisch gefangenen Kiwis wieder von der Insel. Die Kiwis sollen wieder an der Westküste ausgesiedelt werden. Da diese ganze Sache hochoffiziell ist und vom Staat sowie der Bank of New Zealand gesponsort wird und den Titel "Kiwi Recovery Programme" trägt, ist natürlich die Öffentlichkeit daran interessiert, was wiederum die Regierung interessiert und die unglückliche Halb-Ministerin im Samtmantel auf den Plan rief. Unglücklich deswegen, weil heute wieder einmal kein Postkarten-Wetter in den Sounds herrschte: ein nowester röhrte in den Queen Charlotte Sound und das machte die Fahrt zur Insel heraus recht interessant.

Nach gut einer Stunde erreichten wir die Insel. Großer Brecher rollten am Jetty vorbei, so daß das Anlegen und ans Land klettern eine prima Aktion wurde. Besonders für Miss Samtmantel. Stef und ich warfen unsere Kisten auf den Steg und kletterten bepackt den steilen Track zur Hütte hinauf, während Zoe Battersby ihre Kundschaft den Track zum Observation Tower hinaufführte, hinein in den Wald, denn mittlerweile hatte es angefangen zu schütten.

Stef und ich waren noch dabei, unsere Lebensmittel und Rucksäcke zur Hütte zu schleppen, als die gnaze Truppe an der Hütte auflief: anscheinend war es im Wald doch zu feucht gewesen. Das Fernseh-Team sah verwegen und extrem durchweicht aus. Die Ministerin hatte fiese Modderflecken auf ihrem Samtmantel. Die anderen Personen sahen ebenfalls aus wie begossene Pudel. Die ganze Gesellschaft drückte sich um die Hütte herum zusammen, denn schnell wurde klar, daß die Hütte zu klein war, um allen Unterschlupf zu gewähren. Nur Zoe und die Ministerin standen im überdachten Arbeitsbereich.

Ich lief ein weiteres Mal zum Steg, um eine letzte Kiste mit Lebensmittel zur Hütte zu schleppen. Auf dem Weg zur Hütte, kam die Truppe wieder zurück. Wahrscheinlich war das ganze Hin-und-Her-Gerenne notwendig um eine gesunde Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Vorneweg lief die stellvertretende Umwelt-Ministerin. Sie sah schon etwas ulkig aus: sie hatte eine fliedefarbene Samt-Steghose weit über ihren weißen Pullover gezogen; ihre Füße steckten in drei Nummern zu großen Gummistiefeln. Ich ließ sie vorbei und versuchte sie mit einem Lächeln aufzumuntern, denn sie hatte einen herzerweichenden Begossener-Pudel-Blick aufgsetzt.

Mittlerweile waren auch einige der Kiwi-Leute aufgekreuzt. Sieh sahen eher gestreßt und ernst aus, was wohl daran lag, daß sie in den zwei Tagen nur 8 von 13 Kiwis auf unserer Insel gefunden hatten, 6 davon erst an diesem Morgen, und das ganze Unternehmen nicht ganz so erfolgreich wie geplant war. Immerhin konnten die gefangen Kiwis in hölzernen Boxen auf das Dolphin-Watching Boot geladen werden. Eine Box mit zwei Kiwis blieb zurück und wurde von Lynn, der Leiterin des Kiwi-Teams für das Fernsehen immer wieder auf und zu gemacht, während der Kameramann diese Aktion aus verschiedenen Winkeln filmte. Lynn sah ziemlich mitgenommen aus, mußte sie doch für das Interview mit dem Fernsehen aus ihren Regenklamotten heraus und eine grünes "Bank of New Zealand - Kiwi Recovery Programme"-T-Shirt tragen. Und es schüttete vom Himmel hoch...

Insgesamt wurden das ganze offizielle Tamm-Tamm mit der Ministerin und dem Fernsehen aber wohl abgeblasen, denn in Windeseile hatten die Kiwi-Leute ihre Klamotten auf das Boot gepackt und ein etwas hektischer Aufbruch folgte. Kein Wunder, denn der Sturm warf die "Dolphin Endeavour" hin und her. Les hatte seine liebe Mühe das Boot am Jetty zu halten.

Zurück blieben Stef und ich. Die Lady vom Fernsehen wünschte und noch "Goodbye and have fun on your island Paradise" und kletterte zum Steg hinunter. Bald darauf legte das Boot ab und der ganze Troß plus Kiwi-Leute plus 8 Kiwis dampfte zurück gen Picton.

Die Hütte war ein Chaos. Die Kiwi-Leute hatten keine Zeit aufzuräumen oder zu spülen. Das hat uns nicht weiter gestört, denn dafür haben sie die edelsten Freßalien ebenfalls zurück gelassen: der üppige Kuchen für den Tee nach dem offiziellen Teil ist spitze, der gemischte Salat war erstklassig und die extra Gasflasche sowie die noblen Tischleuchte sind ebenso gut zu gebrauchen, wie das neue Geschirr und die neuen Töpfe. Hoffentlich kommen die Kiwi-Leute nicht so bald wieder, um den Krempel abzuholen...